Im Jahre 2001 suchte ich eine Schildkröte und fand … dich - Hans-Dieter Philippen. 

Ich hatte auf eine Anzeige, die du für eine Freundin aufgegeben hattest, geantwortet. Von diesem ersten Emailkontakt an, nahmst du mich unter deine Fittiche. Das erste Telefonat ging knapp zwei Stunden. Mit einer Engelsgeduld hast du mir gefühlte 190 Fragen (in Wirklichkeit waren es wahrscheinlich noch mehr) beantwortet. Du nahmst mich mit zum ersten Stammtisch nach Neuss und zur ersten Terraristika nach Hamm. 

Ich hatte keine Ahnung, dass ich es mit einem Autor und einer „der“ Persönlichkeiten aus der „Reptilien- und Schildkrötenszene“ zu tun hatte. Du warst „einfach“ ein sehr sympathischer Mensch. Nie hast du dein Wissen „heraushängen“ lassen, das hattest du nicht nötig. Nie klangst du wie ein Besserwisser, auch wenn du vieles wirklich besser wusstest. Nie wurdest du ungeduldig oder müde Themen, Sachverhalte, neueste Erkenntnisse zu erklären und zu verbreiten. Du hast bei so vielen verschiedenen Organisationen mitgearbeitet: TSA, TFC, TFTSG, ViVe, DGHT, EAZA, ESF, BNA um nur einige zu nennen. Du initiiertest immer wieder Neues z. B. die Schildkrötenzeitschrift Marginata, das 1st Turtle Symposium im Zoo Prag im April 2008, das folgende im Zoo Münster, die EU-ARK (European Amphibian and Reptile Keepers Association) in 2012 und und und. Mit der Auflistung deiner Veröffentlichungen könnte man Seite um Seite füllen.

Aber du warst nicht nur ein Schildkröten- oder Reptiliensachverständiger. Du warst auch ein wunderbarer Freund! Und auch hier liebte ich stets deine gelassene Souveränität. 

Das eine Mal rief ich dich abends an, um einen spontanen Ebay-Wintergartenabbau hinzubekommen. Ich holte dich mit meinem Wagen samt Anhänger ab. Auf der Autobahn fragtest du mich irgendwann lächelnd: „Ricki, wie schnell darf man mit einem Anhänger auf der Autobahn eigentlich fahren?“ – guter Hinweis!! Den Anhänger hatte ich schlichtweg vergessen und war wie immer zügig unterwegs. So wie du übrigens auch meistens [Symbol]

Ein anderes Mal drohte das St. Martinsfest in der Kindergartengruppe unserer Tochter mangels Nikolaus auszufallen. Wer nahm sich einen halben Tag Zeit und sprang ein? Du!

Wen sprach man an, wenn man einen Rat brauchte, ein spezielles Tier suchte, oder einfach nur mal eine nette Unterhaltung wollte? Dich. Wenn mich irgendein Thema oder Tier besonders beschäftigte und/oder ich mir unsicher war, was ich tun sollte, rief ich dich an. Oft überraschtest du mich dann einige Tage später, weil du zu diesem Thema noch weitere Informationen gesucht und gefunden hast. Das warst typisch du, du hast dich gekümmert. 

Manchmal hast du an irgendeiner Ecke dieser Welt, und das meine ich wortwörtlich, denn du warst wirklich ein Weltmann und Globetrotter, jemanden kennen gelernt und „natürlich“ sofort daran gedacht, dass es zwischen deiner neuen Bekanntschaft und mir gemeinsame Themen gibt, so dass du zwischen uns beiden den Kontakt vermittelt hast. 

Lange vor Foren, Skype, Facebook, oder Twitter warst du derjenige, der Menschen zusammen brachte. Ich bewunderte so oft dein Gedächtnis für Namen, Tiere, Geschichten und diese dann auch immer alle in den richtigen Kontext zu bringen. Du konntest wunderbar erzählen. Du wusstest zu allem und jedem eine kurzweilige oder auch längere Geschichte. Gemeinsame Autofahrten nach Hamm, Berlin, Basel egal, nie blieben sie mir als lang oder gar langweilig in Erinnerung, ganz einfach, weil du sie kurzweilig gefüllt hast.

Und das vielleicht größte Kompliment, das man einem Menschen machen kann, konnte man über dich sagen, du warst wirklich überall gern gesehen. 

Seitdem du tot bist, durchzuckte mich schon mehr als einmal der Gedanke: „Da muss ich mal Hans-Dieter drauf ansprechen.“ Und dann die schmerzhafte Erkenntnis, dass ich das nie wieder tun kann. 

Mein Mann und ich waren bei deiner Beisetzung. Elke, deine Lebensgefährtin, hat den Ort wunderbar ausgewählt. Es ist wie für dich gemacht. Mitten in der Natur. Auch mir hat es so gut gefallen, dass ich, wenn es einmal so weit ist, ebenfalls dort bestattet werden möchte. 

Es hat zudem den großen Vorteil, dass wenn ich dorthin komme, du schon alle kennen wirst…

Ricki Hamers, Erkelenz