Dr. Beate RöllDie Formenvielfalt der Tiere und Pflanzen hat mich schon früh dazu gebracht, mich für die Natur zu interessieren. Daher war es nur konsequent, dass ich mich zum Studium der Biologie entschloss. Dabei begeisterte mich insbesondere die Vielzahl an Methoden,mit denen man nach Antworten für Fragestellungen aus der Zoologie, vor allem aus der Morphologie, Biochemie und Physiologie suchen kann.

Die Morphologie und Physiologie der Augen von Reptilien, insbesondere von Geckos, haben mich viele Jahre beschäftigt gehalten. Dabei habe ich in meiner Doktorarbeit hauptsächlich Sehzellen und Sehfarbstoffe der Reptilien, in meiner Habilitationsschrift die Augenlinsen der Reptilien und deren spezielle Proteine bearbeitet. Die Notwendigkeit, meine Studienobjekte wissenschaftlich genau und korrekt benennen zu müssen, führte mich in letzter Zeit zur Molekulargenetik, die in diesem Bereich heute zu den Standardtechniken zählt.

Diese Arbeiten habe ich an der Ruhr-Universität Bochum ausgeführt, wo ich als Lehrleistung innerhalb der Zoologie u.a. eine Vorlesung über “Die Biologie der Amphibien und Reptilien” aufgebaut habe, also über Tiergruppen, die bis dahin in den speziellen, zoologischen Veranstaltungen recht unterrepräsentiert waren.

Aus privaten Gründen hat sich vor einiger Zeit mein Leben nach Hannover verlagert, und so unterrichte ich jetzt hier an der Stiftung Tierärztliche Hochschule einige Stunden pro Woche “Allgemeine Zoologie” und “Biologie der Reptilien”. Das ist sozusagen meine “wissenschaftliche Seite”. Aber ich habe auch eine “terraristische Seite” und kenne daher die Belange von Tierhaltern.

Schon an der Universität habe ich die Haltung der verschiedensten Tierarten betreut: unter den Wirbellosen u.a. Krabben, Schwärmer, Springspinnen, Fliegen und unter den Wirbeltieren Geckos, Skinke, kleine Leguane und natürlich die obligatorischen Mäuse und Ratten.

Privat halte ich seit über 20 Jahren Geckos: mein “Spezialgebiet” ist die Gattung Lygodactylus, die in jüngster Zeit durch ihren vielleicht prächtigsten Vertreter, den Türkisblauen Zwerggecko L. williamsi, auch einem breiteren Publikum bekannt geworden ist.

Was möchte ich nun zum Gelingen von Vive beitragen? Wenn Vive in seinem Fachgebiet über den unmittelbaren “Tellerrand” hinaus als Gesprächspartner für andere gesellschaftliche Gruppen - bis hin zur Politik - wahr- und ernstgenommen werden will, sollte der Verein in der Lage sein, zu Fragen des Umgangs mit Tieren fundiert Stellung zu beziehen.  Das erfordert sowohl Kenntnisse der Zoologie als auch die Fähigkeit zum Vermitteln wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Als 2. Vorsitzende habe ich nun den wissenschaftlichen Bereich für Vive übernommen. Und hier möchte ich mich besonders an dieser “Vermittlerstelle” zwischen Wissenschaft und privater Tierhaltung mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen. Insbesondere möchte ich wissenschaftliche Erkenntnisse - seien es nun aktuelle oder auch etwas ältere, aber für Tierhalter wichtige Fakten - für alle daran Interessierten zugänglich machen. Ich hoffe vor allem, dass wir mit unserem Verein dazu beitragen können, das Wissen über Tiere durch Haltung in menschlicher Obhut zu vermehren und zu verbreiten. Und hier muss Vive klar Position für die legale und gesellschaftlich akzeptierte Beschäftigung mit lebenden Tieren beziehen, aber sich ebenso klar gegen Auswüchse in der Tierhaltung wenden, wie sie immer wieder durch die Presse gehen.

Mit den besten Grüßen


Ihre Beate Röll