Mit diesen Worten beginnen viel nächtliche oder – noch schlimmer – fühmorgendliche Notfallanrufe…

Dabei handelt es sich fast immer um einen Prolaps, also einen Vorfall von Weichteilen und/oder Organanteilen aus der bauch- oder Beckenhöhle über die Kloake in die Außenwelt. Das Ganze sieht anfangs vielleicht aus, wie eine etwas geschwollene Kloake, irgendwann sind rosa bis blutrotgefärbte Gewebe erkennbar, die zunehmend braun bis lederartig schwarz werden können, reagiert der Halter nicht umgehend. Allerdings entwickeln sich Organvorfälle nur eher selten langsam, wie geschildert, sondern manifestieren sich plötzlich und ohne erkennbare Vorwarnung und können beängstigende Ausmaße annehmen.

Häufig passiert die nach erfolgter Paarung, nach oder bei Eiablagen, ab du zu beim Kotabsatz oder dem verzweifelten Versuch, Kot abzusetzen, in anderen Fällen aus vermeintlich heiterem Himmel.

Was aber hängt denn nun da hinten heraus?

Das können unterschiedlichste „Dinge“ sein, allerdings niemals solche sind, die für das Tier unwichtig wären: ORGANE!

Im „schönsten“, weil einfachsten Fal,l ist es nur ein wenig Kloakenschleimhaut – vergleichen wir es einmal ganz unmedizinisch mit Haemorrhoiden… Fast ebenso wenig lebensbedrohlich (am Anfang zumindest) kann es die Klitoris sein bei einem Schildkröten- oder Krokodilweibchen nach der Paarung oder der Penis bei einem männlichen Vertreter dieser Tiergruppen. Aber diese hoch sensiblen Organe werden nach Vorverlagerung gestaut und schwellen oft unsagbar an, die Schleimhäute, die sehr zart sind, trocknen ein, reißen unter diesen Bedingungen ein, häufig werden die schmerzenden Vorfälle über Terrarieneinrichtung und Bodengrund geschleift und „abgeschmirgelt“ – und bei Gruppenhaltung erscheinen diese fleischig roten Gebilde für die Beckenmitbewohner begehrenswert futterähnlich… Es wird also hineingebissen, Stücker können herausgerissen und gefressen werden, das betroffene Tier maltraitiert zudem in Abwehr das Ganze noch mit den Krallen – und schon wurde aus einer Bagatelle ein schwerer Unfall mit lebensbedrohlichen Folgen.

Die Tiere können verbluten, vorgefallene Organe können absterben und nekrotisch werden, Fliegenmaden tun ein Übriges, gemeinsam mit den eingedrungenen Bakterien…. Bei Echsen- und Schlangenmännchen kann ein Hemipenis oder beide vorgefallen und ebenfalls verletzt sein. Wie gesagt, das sind, zumindest anfangs, die leichten Fälle. Es darf aber nicht vergessen werden, dass in die Kloake diverse Hohlorgane hinein münden, namentlich der Darm, die Harnblase, sofern vorhanden, die Ovidukte (Legedärme), die Harnleiter und bei vielen Wasserschildkröten die Analblasen. Sie alle sind normalerweise gut durch Bänder und Verwachsungen im Körper fixiert. Jedoch können traumatische Begebenheiten, wie abgebrochene oder vergewaltigungsartige Paarungen, Eiablageprobleme, Darmentzündungen, Blasenentzündungen u. v. m. zum Umstülpen dieser Hohlorgane führen und zum Zerreißen der Bänder und Verwachsungen! Es muss daher dringend im Gedächtnis der Tierhalter, wie behandelnder Tierärzte verankert sein, dass es sich somit um lebensnotwendige Organe handeln kann, die weder in der Kloake, noch der Außenwelt etwas zu suchen haben und die nur vorfallen, wenn „irgendwo in der Tiefe des Patienten“ gravierend etwas in Unordnung geraten ist. Also keine Bagatelle und ganz sicher nichts, woran man einfach mal herumschneiden könnte (man will ja nicht einfach ein Stück Darm abschneiden – hoffe ich.) Würde man die heraushängenden, oft schwer geschädigten Organteile einfach „amputieren“, würde dadurch einerseits ein Teil wichtiger Organe einfach abgeschnitten, andererseits – erinnern wir uns, es sind umgestülpte Hohlorgane, wie die Harnblase z. B., entstünde darin ein Loch, das den Weg über die Kloake in die Bauchhöhle frei gäbe – ein Todesurteil!

Naheliegender wäre es ja, man machte das Organ oder die Organe einfach ordentlich sauber und würde sie wieder „hineinstopfen“, reponieren auf Schlau, also zurückverlagern. Das klappt, wenn einem Gecko ein kleiner Darmvorfall „passiert“ ist ganz gut, ist man aber nicht zu 200% sicher, um welches Organ (es ist meist kaum mehr als das zu erkennen, was es eigentlich sein sollte) es sich handelt, kann das fatal enden. Erinnern wir uns, es ist ein umgestülpter Gewebeschlauch, wie eine Socke, um ein bekanntes Bild aus dem Haushalt zu verwenden. Schiebt man das einfach zurück, stülpt es sich zu 95% nicht wieder in die richtige Lage zurück. Auch kann man sich in unseren doch meist kleinen Patienten und deren Becken nur schwer orientieren… Meist, um das abzukürzen, kommen die Organe nicht mehr in die Position, in die sie gehören, Einstülpungen bleiben bestehen und sehr oft wird einfach alles nur bis in die Kloake gestopft, wo es schlicht und ergreifend, verfault, zumal in fast allen Fällen eine Tabaksbeutelnaht, also ein Verschluss der Kloake für einige Zeit, notwendig ist..


Es muss also zunächst das Organ bestimmt werden, das betroffen ist und dann muss dies eigentlich in einer Bauch-OP zurückverlagert werden, vom Bauchraum ausgehend. So können betroffene Organe angesprochen du wieder durch sanften Zug in den bauchraum zurückverlagert – und dabei automatisch wieder umgestülpt – werden. Reale Schäden werden so besser abschätzbar, ist eine Amputation nötig, kann sie hier fachgerecht vorgenommen werden und das ja in seiner Verankerung abgerissene Organ kann wieder in seiner natürlichen Lage fixiert werden. Handelt es sich um einen Eileiter, kann in einem Zug eine Kastration des Tieres, um Rezidiven vorzubeugen, vorgenommen werden.

Allerdings ist das beheben des Schadens und dessen Begrenzung nicht die vollständige Therapie! Letztlich wurde ja nur die Spitze des Eisberges, das Symptom sozusagen, behandelt du der Tod des Patienten für den Moment abgewendet. Die Ursachen müssen nun gesucht und angegangen werden. Zu diesen zählen Parasitenbelastungen, Wassermangel, Entzündungen, Verletzungen im Darm oder der Kloake, Legenot, Sand und andere ungeeignete Bodegründe im Verdauungstrakt, Eier, die in die Harnblase gerutscht sind, Paarungsverletzungen und Mineralstoffmangel, Blasensteine u. v. m.

Werden diese nicht erkannt und behoben, hat man eigentlich nur „in Pflaster aufgeklebt“, aber nicht geheilt. Oft sind hier Haltungsumstellungen für die Tierhalter und ein besseres Management der Tiere/des Tieres angesagt, die unbedingt umgesetzt werden müssen.

 

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